Dienstag, 23. Februar 2010
Die Basisgemeinde
„Es ist besser, dass man zu zweit ist als allein, denn die beiden haben einen guten Lohn für ihre Mühe. Denn wenn sie fallen, so hilft der eine dem anderen auf; wehe aber dem, der allein ist, wenn er fällt und kein zweiter da ist, um ihn aufzurichten! Auch wenn zwei beieinander liegen, so wärmen sie sich gegenseitig; aber wie soll einer warm werden, wenn er allein ist? Und wenn man den einen angreift, so können die beiden Widerstand leisten; und eine dreifache Schnur wird nicht so bald zerrissen.“ Prediger 4,9-12

Zwei oder drei – ist ein Begriff, den wir oft in der Bibel finden. Jesus selbst sagt in Mt. 18,19-20:
„Wiederum sage ich euch: Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen, irgendeine Sache zu erbitten, so wird sie ihnen werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte.“
Zwei oder drei Nachfolger genügen, um in Jesu Namen zusammen von Gott eine Sache erfolgreich zu erbitten. Jesus hat verheißen, in ihrer Mitte zu sein und das ist etwas Besonderes. Die Vollmacht der Gläubigen wird schon in dieser Größenordung wirksam und bringt das Reich Gottes in die Welt. Die Gemeinschaft beginnt mit zwei oder drei, das ist die Kern- oder Basisgemeinde des Neuen Testaments. Aus ihr heraus entwickelt sich die lokale Gemeinde, die Stadtgemeinde und die universelle Gemeinde. Sie ist vergleichbar mit der natürlichen Familie, wo Vater und Mutter nicht allein bleiben, sondern ein, zwei, oder mehr Kinder bekommen. In diesem Sinne ist auch das Wachstum der Basisgemeinde im Rahmen der Familiengröße zu sehen. Die lokale Gemeinde, bzw. die Stadtgemeinde besteht aus der Vielzahl der Basisgemeinden, als eine Art Sippe oder Clan.

Gott selbst hat das Prinzip von zwei oder drei in seinem Wesen gezeigt. Er ist der dreieinige Gott. Er begegnet uns nicht als eine einzige Person, sondern als drei Personen, die vollkommen eins sind. Für uns Menschen ist es schon schwer mit zwei oder drei anderen Jüngern eins zu sein, das ist eine große Herausforderung an der man genug zu knacken hat. Wie unmöglich erscheint uns da der Versuch von denominationellen Gemeinden Einheit im großen Stil zu schaffen. Echte Herzensgemeinschaft kann nicht gelingen, wenn an der Basis diese Einheit fehlt. Und außerdem wird es nie möglich sein, diese Art der Einheit in Konfessionsgemeinden zu verwirklichen.
Schon bei den 12 Jüngern wurde die Einheit durch Judas von innen demontiert. Jesus wusste über die Kraft und Einheit der zwei oder drei. Mit Petrus und Johannes ging er auf den Berg der Verklärung und in den Garten Gethsemane nahm er auch nur Petrus, Johannes und Jakobus mit. Diese Vertrautheit der kleinsten Gruppe brauchte Jesus in seinen besonderen Stunden und diese Vertrautheit brauchen auch wir. Da fängt die tiefste Herzensgemeinschaft an, da haben wir das stärkste Erlebnis, füreinander da zu sein, was die Essenz des Gemeindelebens ist. Wenn es an dieser Basis keine Beziehungen gibt, dann fehlt uns das Wesentliche von der Gemeinde. Die Priorität des Gemeindelebens muss deshalb auf die Gemeinschaft der zwei oder drei gelegt werden.

Leider haben die Christen in der Vergangenheit immer wieder Gemeinschaft leben wollen ohne die Kraft und Stärke der zwei oder drei. Das ist für mich ein wesentlicher Grund, warum Gemeinde und Kirche so verletzend und weltlich geworden ist. Nur im Kleinen findet wahre Gemeinschaft und wahre Jüngerschaft statt. Wo man dem anderen seine volle Aufmerksamkeit widmen kann, da ist es möglich zu helfen und das Wachstum bleibend zu unterstützen.
Wir brauchen ein neues Bewusstsein über diese Wahrheit und dürfen uns nicht von denen blenden und verwirren lassen, die nur Köpfe zählen. Unsere Gemeinden kranken an dieser Sucht, weil es etwas ist, was nach außen sichtbar ist, womit man vor den Menschen prahlen kann. Wo viele Menschen einen Gottesdienst besuchen, da sucht man den Segen Gottes, da glaubt man, dass etwas Besonderes passiert. Doch wahre Veränderung und Wachstum geschieht in der Begegnung der Herzen.
Gott sieht das Herz an, er blickt nicht auf das Große, was vor Augen sichtbar ist. Seine Augen „durchschweifen das ganze Land“ und suchen diejenigen, deren Herzen ungeteilt auf Ihn ausgerichtet sind. Leider sind es nicht viele, die diese Herzensgemeinschaft zu Gott und zu dem Nächsten suchen, oft findet man sie in der Gemeinschaft der zwei oder drei, wo Herzensgemeinschaft und Jüngerschaft im Kleinen umgesetzt wird. Es gibt viele Gläubige die Angst vor dieser Intimität haben, sie wollen ihr Innerstes vor Missbrauch schützen. Doch es gibt keinen anderen Weg zur Liebesgemeinschaft mit Gott und in der Gemeinde.

Ric

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Donnerstag, 18. Februar 2010
Die Wolke beobachten
Als das Volk Israel durch die Wüste wanderte, wurde es von Gott geführt, in dem sie die Bewegungen der Wolke über der Stiftshütte beobachteten und darauf reagierten.
Wenn sie aufstieg, packten sie alle Sachen zusammen und setzten sich in Bewegung, in die Richtung, die durch die Wolke angezeigt wurde. Sobald die Wolke sich an einem Ort niederließ, blieben sie auch stehen und bauten die Stiftshütte und ihre Zelte wieder auf. Egal, wie lange die Wolke stehen blieb, sie harrten aus und bewegten sich nicht weiter. Das ging immerhin 40 Jahre in diesem Stil, schwer vorstellbar. Aber Gott wollte das Volk Israel prüfen, ob es bereit ist, blind auf Gottes Führung zu vertrauen, ohne zu wissen in welche Richtung es gehen sollte und wie lange es noch dauern sollte, bis sie am Ziel angelangen. So lesen wir in 5.Mose 8,2:
„Und du sollst an den ganzen Weg denken, den der HERR, dein Gott, dich diese vierzig Jahre in der Wüste hat wandern lassen, um dich zu demütigen, um dich zu prüfen und um zu erkennen, was in deinem Herzen ist, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht.“
Wir wissen, dass diese Wüstenwanderung normalerweise nach zwei Jahren zu Ende sein sollte, denn Gott beabsichtigte sie ins verheißene Land zu bringen. Doch weil sie Gott nicht vertrauten und am Ende murrten, dauerte die Wanderung dann 40 Jahre, bis die ganze erste Generation, außer Kaleb und Josua, in der Wüste gestorben war.

In Hebräer 3 u. 4 wendet Paulus dieses Bild auf die Gemeinde an und motiviert die Gläubigen, sich nicht so wie die Israeliten damals zu verhalten, sondern, wenn sie Gottes Stimme hören in die Glaubensruhe einzukehren. Das hat auch heute noch seine Gültigkeit.
Das Leben eines Christen könnte man, wie den Werdegang Israels, in drei Lebensetappen einteilen – von Ägypten in die Wüste, von der Wüste in das verheißene Land. Jesus war auch 2 Jahre mit seinen Eltern in Ägypten und er war später 40 Tage in der Wüste, wo er vom Satan versucht wurde, danach folgten 3 Jahre, wo er seinen eigentlichen Auftrag in Vollmacht ausrichten konnte.
Jede Etappe hat eine besondere Bedeutung und kann von unterschiedlicher Länge sein. Die Zeit der Wüste hat seine eigenen Prinzipien und Besonderheiten. Es ist die Zeit, wo wir lernen sollen, Gott absolut in jeder Lebenslage zu vertrauen. Was auch immer auf uns zu kommen sollte, Gott ist der Starke, der uns zu Überwindern machen will. Es ist auch die Zeit der Prüfung, Gott will sehen, was in unserem Herzen ist, deshalb geschehen oft Dinge in unserem Leben, die uns an den Rand des Erträglichen bringen. Solche Situationen offenbaren unser Herz, unsere wahre Haltung. Und wenn wir darüber erschrecken, was in uns ist, dann gibt Gott Gnade, damit sich unser Charakter ins Positive verändern kann.
In dieser Zeit geht es nicht um den „richtigen Weg“, es geht nicht um den Plan den Gott für unser Leben hat und es geht nicht um unsere Berufung. Vielmehr geht es um uns selbst, um unsere Herzenshaltung, um unser Verhalten Gott und den Menschen gegenüber. Gott benutzt alle möglichen Situationen und Umstände, die geeignet sind, um uns darin zu prüfen. Er offenbart uns die Dinge in unserem Leben, die hinderlich für seine Absichten mit uns sind und, das ist die gute Nachricht, er macht es auch, dass wir sie unter die Füße bekommen, wenn wir an Ihm dran bleiben. Gott selbst vollbringt ins uns beides, das „Wollen und das Vollbringen“.
Was wir in der Wüste zu lernen werden, ist auf Gott zu vertrauen, dass er den Plan für unser Leben hat und dass er ihn zur rechten Zeit für uns in die Realität bringen wird. Solange davon nichts konkret wird, wissen wir, dass Gott an uns handeln möchte, dass wir zubereitet werden für den Eintritt in das verheißene Land. Er wartet, dass wir in diese Ruhe des Glaubens einkehren.

Ric

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Freitag, 12. Februar 2010
Paulus wo ist dein Timotheus, Timotheus, wo ist dein Paulus?
"Und was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen gehört hast, das vertraue treuen Menschen an, die tüchtig sein werden, auch andere zu lehren! "(2.Tim.2,2)

Wenn wir nach der Effektivität unserer Nachfolge fragen, dann kommen wir nicht an dem vorbei, was Jesus uns dazu gesagt hat. Natürlich steht das Gebot der Liebe zu Gott und zu den Menschen hier an erster Stelle. Das ist die Basis, wie wir als Nachfolger Jesu in dieser Welt leben sollen, gelebte Liebesbeziehung zu Gott und zu den Menschen.

Die letzten Worte Jesu, wie wir sie in Mt. 28,19 lesen, beinhalten aber noch einen anderen Aspekt, den wir als wichtigen Auftrag für uns nehmen sollten: "Gehet hin in alle Welt und macht zu Jüngern alle Nationen". Jesus spricht hier seine Jünger an, dennoch meine ich, dass es legitim ist diese Worte auf alle Nachfolger Jesu anzuwenden.

Jesus sendet uns aus, er sagt "gehet hin" und wiederholt damit dieselbe "apostolische Sendung", die er schon bei der Aussendung der 12 und der 70 in einer "Art Workshop" im Lehrstil mit den Jüngern eingeübt hatte. Jetzt wurde es ernst und er konkretisierte diese Sendung noch mit dem spezifischen Auftrag des "Jüngermachens". Wir sollen hingehen und alle "Völker" (ethnies) zu Jünger machen. Damit bezeichnet er die Zielgruppen, die wir erreichen sollen - es sind die verschiedenen soziologischen Gruppen dieser Welt. Dazu gehören nicht nur die Völker draußen in der weiten Welt, sondern es gehören auch die vielen unterschiedlichen, nach Deutschland eingewanderten Gruppierungen aus anderen Ländern dazu und ebenso die verschiedenen deutschen Subkulturen unter Jugendlichen oder anderen.

Ein Volk zu Jünger zu machen fängt bei dem einzelnen Vertreter der Gruppierung an. So könnte es aussehen: Ein Kontakt zu einer Person wird zu einer Bekanntschaft, die Bekanntschaft wird zu einer Freundschaft, die Freundschaft wird zu einer Übereinstimmung, was den Glauben an Jesus betrifft. Du wirst zum geistlichen Vater (Mutter) der andere wird zum geistlichen Sohn (Tochter). Eine zweite Person aus dem Freundeskreis des Kindes kommt dazu, das selbe wiederholt sich. Bald wird ein Sohn, eine Tochter selbständig und ahmt dieses Verhalten nach - nun ist eine Familie mit 4 Personen entstanden.

Während der Jüngerschaft lernen sie sich kennen, sie teilen ihre Schmerzen, ihre Gefühle ihre Ängste und Sorgen miteinander. Aber auch die Sünden bekennen sie und bitten den Herrn gemeinsam um Vergebung. Erst geschieht das einseitig, dann wird es gemeinschaftlich. Aber auch das Bibelgespräch ist dabei, Ermutigung, Korrektur haben ihren Platz. Sie teilen ihre Zeit miteinander beim Gespräch aber auch in der Freizeit. Das Privatleben ist mit eingebunden und das Berufsleben und öffentliche Interessen haben Raum in der Gemeinschaft untereinander. So wachsen alle in die Reife, die Gott für sie vorbereitet hat - sie werden Jesu Jünger und sind dem Auftrag Jesu gehorsam. Sie bleiben wie die Reben am Weinstock und bringen Frucht in einer öden Welt. (Joh.15,1-8). Das macht Spass und bringt Erfüllung.


Ric

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Dienstag, 9. Februar 2010
Du kannst nicht geben, was du nicht hast.
Das klingt vielleicht etwas komisch, aber es steckt eine Menge dahinter, ich will es mal formulieren.

Aus der letzten Witschaftskrise kennen wir das Phänomen, dass verschiedene Banker und Aktienspekulanten Wertpapiere weitergaben, die sie selbst noch gar nicht besassen, das hatte eine negative Entwicklung zur Folge, wodurch das Finanzsystem Amerikas und Europas ausgehölt wurde. Die Folge war der Zusammenbruch vieler Banken.

Im Leben einiger Christen gibt es etwas Ähnliches. Es gibt Gläubige, die leben in einer Identität, die nicht der Wahrheit entspricht. Vor Gott haben sie eine andere Identität und andere Gaben und Fähigkeiten, als die, die sie den anderen präsentieren. Sie haben einen Schein aufgebaut und wollen bewußt, oder unbewußt als Christ das leben, was Gott ihnen nicht oder noch nicht gegeben hat. Der Wechsel ihres Lebens ist nicht gedeckt und doch reichen sie ihn an andere weiter, in einer Geste des "Dienen wollens" für andere. Es entsteht ein Lebensstil, der sehr gefährlich ist und zum Zusammenbruch der ganzen Persönlichkeit führen kann. Das so genannte „Burn- out- Syndrom“ bei Christen kann eine Folge davon sein und manche Christen öffnen durch diese falsche Haltung auch Türen für "Geistlichen Missbrauch". Nur das, was wirklich identisch ist mit meine gegenwärtigen Entwicklung und den von Gott gegebenen Gaben, Begabungen und meiner Persönlichkeit trägt uns auf die Dauer durch, weil es von Gott selbst gedeckt ist.

Wir können hochstapeln und tiefstapeln, das ist ein nur allzu menschliches Phänomen, das man schon bei Kindern beobachten kann. Zur Kongruenz mit mir selbst gehört immer eine Portion Demut. Es ist die Suche danach und der Wille dafür, als die Person bekannt zu sein, die man wirklich ist. Leider ist es nicht so einfach, weil die Taktik, sich als jemand anders auszugeben, schon oft in unserer Kindheit tief in unsere Persönlichkeit eingegraben wurde. Wir haben gelernt, aus Defiziten und Frustrationen mit Menschen heraus, ein falsches Bild von uns aufzubauen, um Anerkennung zu bekommen. Als Erwachsener ist es dann nicht selten, dass man von dem falschen Bild über die eigene Person und Begabung selbst überzeugt ist. Es gehört deshalb eine intensive Gewissenerforschung, nicht selten ein längerer Heilungsprozess dazu, um sich selbst im Lichte Gottes zu erkennen, wer man ist und was man zu geben hat.
In Römer 12, 4 sagt Paulus:
„Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben wurde, jedem, der unter euch ist, nicht höher von sich zu denken, als zu denken sich gebührt, sondern darauf bedacht zu sein, daß er besonnen sei, wie Gott einem jeden das Maß des Glaubens zugeteilt hat.“

Wem diese Schritte der Identitätsfindung gelingen, der steigt in einen neuen Lebensvollzug ein. Er wird zu einer Person, die beginnt, in den Wegen und in den Taten Gottes zu wandeln, die Er „vorbereitet hat, dass wir darin wandeln sollen“ (Eph.2,10). Damit verbunden ist eine gehörige Portion Selbstannahme, wir hören auf, uns mit den Diensten und Gaben anderer zu vergleichen und lernen unsere eigenen Gaben wert zu schätzen. Diese wollen wir dann weitergeben, überall, wo es möglich ist, und wir werden wirklich erfolgreich, weil wir das tun, wozu Gott uns geschaffen hat. Wir können dann akzeptieren, dass es andere Gaben gibt, die wir nicht haben und deshalb nicht echt weitergeben können. Getrost werden wir viele Dinge anderen überlassen können, die mit ihren Gaben und Fähigkeiten in bestimmten Bereichen besser dienen können, als wir.

Natürlich sollen wir uns an dem Gebot der Nächstenliebe orientieren, wo es darum geht dem Nächsten zu dienen und ihm zu helfen, wo immer sich eine Gelegenheit ergibt. Doch geht es darum, Gottes Konzept mit der Gemeinschaft zu erkennen, wo es heißt „ein jeder diene in der Gabe, die er von Gott erhalten hat als treuer Haushalter“ … und „die Gaben sind zum Nutzen aller gegeben … der Geist teilt aus, wie er will.“ (s. 1.Petr.4,10/ 1.Kor.12)


Ric

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Dienstag, 2. Februar 2010
Knechte Jesu Christi
Paulus, Timotheus, Epaphras, Petrus, Judas, und Johannes nannten sich selbst Knecht Jesu Christi, Knecht Gottes, bzw. wurden von anderen so genannt. In verschiedenen Briefen des Neuen Testaments lesen wir diese Bezeichnung jeweils in den Eingangsgrußworten. (siehe Röm. 1,1; Phil. 1,1; Kol. 4,12; Tit. 1,1; 2.Petr. 1,1; Jud. 1; Offb. 1,1).

Aber sagte Jesus nicht selbst in Joh.15,15 zu seinen Jüngern „Ich nenne euch nicht mehr Sklaven, denn der Sklave weiß nicht, was sein Herr tut; euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich alles, was ich von meinem Vater gehört, euch kundgetan habe“.
Wie können die Apostel, die als Vorbilder des Glaubens gelten, sich selbst als Sklaven oder Knechte bezeichnen? Widersprechen sie etwa der guten Botschaft von der Freiheit des Evangeliums? Nein, ich denke, ihr Vorbild war Jesus Christus selbst, er wurde als der leidende Gottesknecht bezeichnet. Er „nahm die Gestalt eines Knechtes an“, das lesen wir in Phil.2, 7.
Wenn Jesus uns nicht mehr Sklaven nennt, sondern Freunde und Söhne, dann will er damit aussagen, dass er uns in seine Pläne, Absichten und Arbeiten als Mitarbeiter hineinnehmen wird. Unser Status soll nicht mehr der eines unwissenden Sklaven sein, der keine Ahnung von dem hat, was mit ihm und mit der Welt geschieht. Jesus will uns in seine Wege einweihen und der Heilige Geist wird uns in den Wegen Jesu Christi lehren. Wir sind dann nicht mehr wie die unmündigen Kinder oder Sklaven sondern wir werden in den Stand gehoben, seine eigenen Freunde zu sein, die wissen, was er tut.

Wenn die Apostel sich dennoch als Sklaven bezeichnen, dann tun sie das im Blick auf ihre Berufung, denn sie wurden von Gott für einen speziellen Dienst ausgesondert und abgeordnet, den nicht jeder Christ erfüllen kann. Es ist in Dienst der Absage an die Welt und der ganzen Hingabe an das Evangelium und der Verkündigung des Reiches Gottes. Ein Dienst des Leides und der Versöhnung. Wer zu diesem Dienst von Gott berufen ist, der findet keine andere Lebenserfüllung, außer der, dass er bedingungslos Gott und seiner Berufung Gehorsam leistet, wie ein Versklavter, der keinen anderen Weg gehen kann. Ähnliche Worte gebrauchte Paulus in seinen Briefen an die Korinther.

Gilt die Herausforderung Jesus zu dienen aber nicht jedem Christen, sind wir nicht alle dazu berufen Diener aller zu werden? Im Mathäusevangelium sagt Jesus:
„Unter euch wird es nicht so sein; sondern wenn jemand unter euch groß werden will, wird er euer Diener sein…“ Wirklich, hier zeigt Jesus uns allen den Maßstab für christliches Leben. Wir sind nur dann groß im Reich Gottes und in der Gemeinde, wenn wir den Menschen echt dienen, anstatt über sie zu herrschen, wie es in der Welt üblich ist.
Aber Jesus sagt an dieser Stelle auch, „... und wenn jemand unter euch der Erste sein will, wird er euer Sklave sein; gleichwie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.“
Es gibt also noch eine Steigerung zum „dienen“, wenn jemand unter den Jüngern der „Erste“ und „Größte“ sein will, dann geht es nur, wenn für alle ein Sklave ist und in gleicherweise wie Jesus sein Leben ganz hingibt.

Das griechische Wort für „Diener“ ist in dieser Bibelstellte diakonos, es bedeutet „der zu Tisch dienende - es ist jemand, der in seiner Haltung freiwillig dem anderen in „Ehrerbietung zuvorkommt“ und ihn bedient, jemand, der den „anderen höher achtet als sich selbst“, weil Jesus es so vorgelebt hat. Dieser Diener ist ein „freiwilliger Knecht“ in diesem Sinne, dass er aus Liebe zu Gott sich entschieden hat, den Menschen zu dienen.
Das Griechische Wort für „Sklave“ lautet doulos, das ist ein Diener, der keine eigenen Rechte mehr hat und nur seinem Herrn dient. Er hat seine Selbstbestimmung an seinen Herrn abgetreten. Es ist ein Knecht im Sinne von Sklave, bzw. Liebeigener seines Herrn. Er soll zwar auch ein Diener der Menschen sein, aber er ist kein Sklave der Menschen, sondern ein Sklave Gottes oder Jesu Christi, wie ich es vorher über die Apostel gesagt habe.

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Freitag, 29. Januar 2010
Du kannst die Gemeinde nicht verlassen – es geht nicht.
Vor längerer Zeit gehörte ich einige Jahre zur „Gemeinde Gottes“, einer Freikirche, die Anfang des 19. Jahrhunderts aus der Heiligungesbewegung entstand. Bei Nachforschungen über die Geschichte und über die Werte dieser Gemeinde entdeckte ich eine Sache, die mich nachhaltig beeindruckte und die ich bis heute als Wert festhalte. Es handelt sich dabei um zwei Artikel aus den Grundsätzen der Gemeinde Gottes, wo es um die Mitgliedschaft geht:

„8. Wir glauben, dass alle Kinder Gottes zur Gemeinde Gottes, der Braut Christi, dem Leibe der Herrn gehören. Der Augenblick der Annahme beim Herrn ist auch der Augenblick der Aufnahme in die Gemeinde. Wir werden durch die Wiedergeburt Glied am Leibe Christi. (Apg.2,47: ‚Der Herr aber tat hinzu täglich, die da selig wurden, zu der Gemeinde’).
9. Wir glauben, dass es unmöglich ist, durch eine menschliche Organisation die Gemeinde Gottes darzustellen. Die Gemeinde ist ein Organismus, zu dem der Herr die Tür ist und in den er selbst die Glieder einfügt. Die Gemeinde ist keine Organisation, der man sich anschließen kann. Dies gilt sowohl für die unsichtbare universale Gemeinde des Herrn, als auch für die sichtbare Ortsgemeinde. (Eph.2,19-22)“


Ich muss sagen, das hat schon damals, mein Denken und meine Haltung geprägt. Es bedeutet auch heute noch für mich, ich gehöre zur Gemeinde, ich bin Teil der Gemeinde (Glied am Leib Jesu), ja „ich bin sogar Gemeinde“, weil ich wiedergeboren bin. Deshalb will ich dir sagen, du kannst nicht „in die Gemeinde gehen“ oder „zur Gemeinde gehen“, denn du bist als Glied schon in der Gemeinde, wenn du wiedergeboren bist. Ja, richtig, du kannst wohl die verschiedenen Versammlungen, Veranstaltungen und Treffen der Gemeinde besuchen, wo viele oder wenige ihrer Glieder zusammenkommen, aber du kannst die Gemeinde als solche nicht mehr verlassen. Es gibt dazu eine einzige Ausnahme, nämlich dann, wenn ich gänzlich vom Glauben abfalle und mich von Gott und den Gläubigen innerlich und äußerlich abwende. (Wobei noch zu klären wäre, ob das für einen wirklich wiedergeborenen Christen noch möglich ist – das will ich hier offen lassen und nicht darüber dikutieren.)

Wenn ich aber eine „Gemeinde wir wir sie kennen“, also eine denominationelle Gemeinde, von denen es viele in jeder Stadt gibt, verlasse und als Mitglied austrete, dann verlasse ich damit nicht die Gemeinde Jesu weltweit und auch nicht die Gemeinde Jesu am Ort. Ich gehöre weiterhin zu ihr, solange ich mit Christus verbunden bin. Was ich aber verlasse ist das System einer von Menschen gebauten Organisation, die sich einen bestimmten Namen, wie „Xxxxxxxxx- Gemeinde“ gegeben hat. Wir brauchen keine Angst zu haben, wenn wir das verlassen, was Menschen gemacht haben, wir gehören weiterhin zu dem, was Gott aufgebaut hat, bzw. was er organisch hat wachsen lassen. Ich bin dann immer noch Teil des lebendigen Organismus der Gemeinde, ich habe mich nur aus dem menschlichen System, das sich Gemeinde nennt, verabschiedet.

Diese Überlegung hat viele Konsequenzen und kann unser Pradigma über Gemeinde völlig verändern. Es wird aber immer als Prozess geschehen, denn was uns Jahre und Jahrzehnte durch falsche Lehre bewußt oder unbewußt infiltriert wurde, können wir nicht von heute auf morgen ändern. Wenn ich Jahrzehnte lang in der Küche meiner Wohnung den Lichtschalter auf der rechten Seite angeknipst habe, dann werde ich nach dem Umzug in eine neue Wohnung den Schalter der Küche immer auf der rechten Seite suchen, auch, wenn er links ist. Ein erster Schritt, den wir tun können, um von dem falschen Gemeindeparadigma frei zu werden ist es, bewußter die Bibel nach der Thematik Gemeinde zu untersuchen.
Jesus hat viele hunderte Male über Evangelisation, Jüngerschaft und Reich Gottes gesprochen, aber nur ein Mal über Gemeindebau. In Mt.16,18 sagt er:
„Du bist Petrus, und auf diesem Felsen (Jesus) werde ich meine Gemeinde bauen, und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen.“
Jesus selbst baut seine Gemeinde, nicht wir sollen sie bauen. An keiner Stelle in der Bibel finden wir einen Hinweis, dass Jesus uns beauftragt Gemeinde(n) aufzubauen. Für uns hat Gott anderes vorgesehen, wir sollen Liebesgemeinschaft mit ihm und untereinander haben und seine Jünger und Mitarbeiter im Reich Gottes werden. Wo wir das tun, wird der Herr „automatisch“ seine Gemeinde bauen, bzw. Gemeinde wird als gewachsene Frucht sichtbar.

Ich fasse zusammen:
1. Wir gehören zur Gemeinde und sind Gemeinde, wenn wir wiedergeboren sind.
2. Wir können die Gemeinde nicht verlassen, solange wir mit Jesus Christus verbunden sind.
3. Wir sollen und können die Gemeinde nicht (auf)bauen, Jesus selbst baut seine Gemeinde.
4. Wir stehen immer wieder in der Versuchung Gemeinde selbst bauen zu wollen.
5. Wenn wir die Gemeinde selbst bauen, dann gibt es eine menschliche Organisation.
6. Wir können und dürfen diese Art von menschlicher „Gemeindeorganisation“ verlassen.
7. Verlassen wir sie, gehören wir trotzdem weiterhin zur Gemeinde des lebendigen Gottes.

Ric

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Samstag, 23. Januar 2010
Der 3. Johannesbrief – die Dienste, die Ältesten und die Gemeinde im Miteinander
Verfasser, Empfänger und Gruß
1 Der Älteste dem geliebten Gajus, den ich liebe in der Wahrheit.2 Geliebter, ich wünsche, dass es dir in allem wohlgeht und du gesund bist, wie es deiner Seele wohl geht.
Rechtes und falsches Verhalten gegenüber fremden Brüdern
3 Denn ich habe mich sehr gefreut, als Brüder kamen und für deine Wahrheit Zeugnis gaben, wie du in der Wahrheit wandelst. 4 Eine größere Freude habe ich nicht als dies, dass ich höre, dass meine Kinder in der Wahrheit wandeln. 5 Geliebter, treu handelst du in dem, was du an den Brüdern, sogar an fremden, tust 6 - sie haben vor der Gemeinde1 von deiner Liebe Zeugnis gegeben -, und du wirst wohl tun, wenn du sie zur Reise ausstattest, wie es Gottes würdig ist. 7 Denn für den Namen sind sie hinausgegangen, und sie nehmen nichts von den Heiden2. 8 Wir nun sind schuldig, solche aufzunehmen, damit wir Mitarbeiter der Wahrheit werden. 9 Ich habe der Gemeinde3 etwas geschrieben, aber Diotrephes, der gern unter ihnen der Erste sein will, nimmt uns nicht an. 10 Deshalb, wenn ich komme, will ich seine Werke in Erinnerung bringen, die er tut, indem er mit bösen Worten gegen uns schwatzt; und sich hiermit nicht begnügend, nimmt er selbst die Brüder nicht an und wehrt auch denen, die es wollen, und stößt sie aus der Gemeinde4. 11 Geliebter, ahme nicht das Böse nach, sondern das Gute! Wer Gutes tut, ist aus Gott; wer Böses tut, hat Gott nicht gesehen. 12 Dem Demetrius ist Zeugnis gegeben worden von allen und von der Wahrheit selbst; aber auch wir geben Zeugnis, und du weißt, dass unser Zeugnis wahr ist.
Schlussbemerkung und Grüße
13 Ich hätte dir vieles zu schreiben, aber ich will dir nicht mit Tinte und Feder schreiben, 14 sondern ich hoffe, dich bald zu sehen, und wir wollen mündlich miteinander reden. 15 Friede dir! Es grüßen dich die Freunde. Grüße die Freunde mit Namen!


Mir ist jetzt klar geworden, dass die Briefe des Johannes sehr wertvoll sind, um uns auch heute noch einen Einblick zu geben, wie die Dienste aus Epheser 4,11 wirken können, damit der ganze Leib gesegnet wird.

Johannes schrieb diesen Brief wahrscheinlich aus Ephesus. Er ist gerichtet an Gajus, der ein Verantwortlicher einer Gemeinde in einem anderen unbekannten Ort in Kleinasien ist. Das herzliche Verhältnis zu dem Apostel wird in dem Wortlaut deutlich. Johannes lobt Gajus, weil er sich stets als wahrheitsliebend und gastfreundschaftlich gezeigt hat. Von Johannes empfohlen kamen immer wieder fremde Christen bzw. Diener Gottes in die Gemeinde und wurden von ihm herzlich aufgenommen und unterstützt.
Doch in der Gemeinde gab es einen zweiten verantwortlichen Mann mit Namen Diotrephes, der das nicht wollte und deswegen sogar ein Empfehlungsschreiben des Johannes verschwinden lies. Aus den Worten des Johannes geht hervor, dass Diotrephes die Situation kontrollieren wollte, um der alleinige „Bestimmer“ in der Gemeinde zu sein. Diener die von Außen kamen, um der Gemeinde Orientierung zu geben, wollte er die Tür für die Gemeinde nicht öffnen.

Aus der Didache, der ersten nachapostolischen Sammlung von Gemeinderegeln (um 120 n. Chr.), wissen wir, dass im 1. Jahrhundert viele Lehrer, Propheten und Apostel als Wanderprediger im ganzen römischen Reich unterwegs waren. Sie gründeten neue Gemeinden und besuchten die bestehenden Gemeinden um sie zum Dienst zuzurüsten, wie wir es in Eph.4,11 lesen. Als eine Art Gegenleistung übernahmen die Gemeinden die Versorgung dieser Diener. Der Apostel Johannes war für einen Teil von ihnen ein väterlicher Mentor gewesen und setzte sich für sie ein. Nach dem Tod des Johannes wurde es für die wandernden Dienste jedoch immer schwieriger in den Gemeinden Einlass zu bekommen. Leitende Älteste, die dann Bischöfe (episkopos) genannt wurden, begannen die Situation zu kontrollieren und die Gemeinde vor dem Einfluss der Dienste abzuschirmen, wie Diotrephes es auch versuchte.

Heute haben wir eine ganz ähnliche Situation wie damals, doch wir nähern uns der Problematik von der anderen Seite, wo es von der Abschottung hin zur Öffnung gehen wird. Das neue Verständnis von Hausgemeinde bzw. einfacher Gemeinde macht die Struktur von damals aktuell. Es gibt wieder Dienste mit ähnlichem Charakter wie damals in den Netzwerken der einfachen Gemeinden und die gilt es zu erkennen und anzuerkennen. Die Bewegung geht dahin, dass wir mehr und mehr frei werden von dem Paradigma der „bischöflich kontrollierten Gemeindeform“ und das freie Fliessen und Wirken der Dienste im Netzwerk der Gemeinden anerkennen werden.
Es ist wichtig, dass in einem lokalen Gemeindenetzwerk verantwortliche Personen als „Älteste“ anerkannt sind, die sich um die Gemeinden mühen und die Aufsicht haben. Aber diese Wächter werden zugeben müssen, dass Gott zusätzlich Apostel, Propheten und Lehrer in ihr Netzwerk gegeben hat, um die Gläubigen in „ihren Gemeinden“ zuzurüsten. Der Heilige Geist wird sie anweisen, die Tür der Gemeinde für die mobilen Dienste zu öffnen, um mit ihnen zusammenzuarbeiten. Die Gemeinden im ersten und zweiten Jahrhundert sind auf diese Weise gewachsen und sie werden auch im 21. Jahrhundert auf diese Weise wachsen und in die Reife gelangen.

ric

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Freitag, 22. Januar 2010
Mein Auszug aus dem System, das man Gemeinde nennt
Ich war ein Nachzügler der Jesuspeople, 1975 gläubig geworden - eine magische Jahreszahl für mich, genau wie 1989. Unsere Jugendgruppe in der Baptistengemeinde (Bamberg, Franken) platzte aus allen Nähten. Jeden Samstag waren wir in der Fußgängerzone und hatten mehrere Freizeiten im Jahr. Dann brach die charismatische Welle in die Gemeinde ein und es kamen Veränderungen. 1979 kam ich nach E. und war Mitglied in einer charismatischen Baptistengemeinde, die voll im Aufbruach war. Wir hatten einen Jugendchor mit Band von über 100 Leuten machten Musikaufnahmen und eine Tournee durchs Land. Schon da wurde es immer enger, immer aufwendiger, es hatte mit Arbeit, Anstrenung, Programm und Kontrolle zu tun. Mitte der Achziger gab es erste Probleme. Die Luft wurde immer stickiger, wenn man nach Lüdenscheid zur FCJG fuhr wurde man als Zigeuner und Abtrünniger bezeichnet. Sie wollten einen Geist der Rebellion bei mir austreiben. Das Kontrollsystem des Pastors und der Gemeindeältesten wurde zusätzlich mit innergemeinndlichen "Prophetien" gefestigt, es gab kein Entrinnen mehr. Bis der Befreiungsschlag von Gott kam - ich konnte eine Jüngerschaftsschule bei JMEM machen.

Die Gemeinde war froh, mich los zu haben und Gott führte mich und meine Familie in eine andere "hochcharismatische" freie Gemeinde, dort war der Anschluss und ich genoss die neue Freiheit und Unbfangenheit der Treffen in einer Schulaula. Alles war frisch, frei, beweglich offen für Innovationen. Doch beim Umzug in ein eigenes Gebäude, die Gemeinde hatte sich konsolidiert, wurde ein Geschwür sichtbar, die Gemeinde hatte sich längst infiziert. Alles wurde straff kontrolliert, Ordner, Türsteher, Begrüßungsteam, Gastfreunschaftsteam, Segnungsteam, „Fänger“, Tücher, Fahnen, Pastorales Team, Fürbitteteam, Lobpreisgruppen mit endlosen Übungszeiten, Seminarstress, ständig Gastredner aus den USA oder England, innnere Heilungsmarathons von wechelnden "Heilungsgurus" durchgeführt, Kurse, Programme und Aktionen ohne Ende. Auf der Bühne saß derPastor und bewachte seine Gemeinde und den Ablauf der charismatischen Liturgie. Immerhin blieben wir dort fast 10 Jahre, bis uns klar wurde, es geht einfach nicht weiter.

Nach ein bis zwei Jahren Gemeindelosigkeit trieb es uns zurück in den Schoß der Mutter Kirche. Doch anders als man annehmen könnte, wir versuchten wir uns in eine konservative, anticharismatische Gemeinde zu integrieren. Der Pastor war uns wohlgesonnen und öffnete uns die Tür, sogar für den Dienst innerhalb der Gemeinde. Es folgten ein paar interessante Jahre, bis die Gemeindeleitung anfing den Pastor aus der Gmeinde rauszumobben, was ihnen auch gelang. Das war auch unser Ende, es wurde sichtbar, wieviel Ablehnung das System der Gemeinde uns entgegenbrachte, wir waren so anders. Wir passten da nicht hinein, der menschliche Hilfsorgnismus der Gemeinde absorbierte uns einfach, so dass wir vom Körper abfielen, wie ein Teil, das gar nicht dazugehörte.

In dieser Zeit hatten wir erste Kontakte zu einer Hausgemeinde – das war interesant, das wollten wir wissen, wa da abläuft. Das Unkomplizierte, familienähnliche überraschte uns. Tischgemeinschaft, Essen, Unterhaltung, Diskussion und gemiensame Betrachtungen biblischer Texte waren unsere ersten Eindrücke. Wir wurden als Famililienmitglieder aufgenommen und durften unseren Teil beitragen ……

Ric

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Mittwoch, 20. Januar 2010
Zum Thema Berufung

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Dienstag, 19. Januar 2010
Der 2. Johannesbrief - ein Zeugnis über eine Hausgemeinde in einem Netzwerk mit Apostel
Verfasser, Empfänger und Gruß
1 Der Älteste der auserwählten Herrin und ihren Kindern, die ich liebe in der Wahrheit; und nicht ich allein, sondern auch alle, die die Wahrheit erkannt haben,
2 um der Wahrheit willen, die in uns bleibt und mit uns sein wird in Ewigkeit1.
3 Mit uns wird sein: Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, dem Sohn des Vaters, in Wahrheit und Liebe.
Ermahnung zum Wandel in Liebe und zur Ablehnung der Irrlehrer
4 Ich habe mich sehr gefreut, dass ich von deinen Kindern einige gefunden habe, die in der Wahrheit wandeln, wie wir von dem Vater ein Gebot empfangen haben.
5 Und nun bitte ich dich, Herrin, - nicht als schriebe ich dir ein neues Gebot, sondern das, welches wir von Anfang an gehabt haben: dass wir einander lieben.
6 Und dies ist die Liebe, dass wir nach seinen Geboten wandeln. Dies ist das Gebot, wie ihr es von Anfang an gehört habt, dass ihr darin wandeln sollt.
7 Denn viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen, die nicht Jesus Christus, im Fleisch gekommen, bekennen; dies ist der Verführer und der Antichrist.
8 Seht auf euch selbst, damit ihr nicht verliert, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangt!
9 Jeder, der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt, der hat sowohl den Vater als auch den Sohn.
10 Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn nicht ins Haus auf und grüßt ihn nicht!
11 Denn wer ihn grüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken.
Schlussbemerkung und Grüße
12 Obwohl ich euch vieles zu schreiben habe, wollte ich es nicht mit Papier und Tinte tun, sondern ich hoffe, zu euch zu kommen und mündlich mit euch zu reden, damit unsere Freude vollkommen sei.
13 Es grüßen dich die Kinder deiner auserwählten Schwester.


Dieser Brief wurde etwa 90 n. Chr. von Johannes, dem Jünger Jesu geschrieben. Der Apostel kam vermutlich nach der Zerstörung Jerusalems, 70 n. Chr., mit Maria der Mutter Jesu nach Kleinasien und schloss sich der Gemeinde in Ephesus an. Er überlebte mehrere Foltern und Mordversuche und starb etwa 101 n.Chr. in hohem Alter eines natürlichen Todes.
Johannes schrieb in seiner Verantwortung als Apostel diese drei Briefe an die kleinasiatischen Gemeinden, um sie vor den drohenden Irrlehren zu schützen. Es ist auffallend, dass sich der erste Brief auf keine bestimmte Orts- bzw. Hausgemeinde bezieht und dass Johannes keine Personen oder Namen nennt. Der zweite und der dritte Brief ist zwar an bestimmte Orts- bzw. Hausgemeinden gerichtet, aber die Orte werden nicht erwähnt. Dafür könnte es zwei Gründe gegeben haben, einmal kann es eine Schutzmaßnahme vor Verfolgung gewesen sein, zum anderen kann es sein dass Johannes mit dem Brief alle kleinasiatischen Gemeinden erreichen wollte.

Für den zweiten Brief, den ich hier betrachten will, gibt es verschiedene Interpretationen und Auslegungen, keine davon kann beanspruchen, die einzig gültige zu sein. Ich entscheide mich hier für folgende Sicht:
Die „auserwählte Herrin“, die Johannnes hier anspricht, ist meiner Meinung nach eine Frau, eine „Patronin“ (v. lat. patronus, aus pater „Vater“), in deren Haus sich eine Gemeinde versammelte. Es wird wohl eine höhergestellte Person gewesen sein, sonst hätte sie Johannes nicht mit Herrin (kuria) angesprochen. Das ist plausibel, denn in den anderen Briefen finden wir diese Anrede nicht. Gleichzeitig kann die Anrede auch auf die Gemeinde, bzw. auf die Leitung der Gemeinde bezogen werden. Da von ihren Kindern die Rede ist, fällt es leicht, die auserwählte Herrin auch als Mutter zu sehen und die Gemeinde als eine Familie, die sich in ihrem Haus versammelt, sowohl was die leiblichen, als auch was die geistlichen Kinder angeht. Im ersten Brief verwendet der Apostel die Worte Kinder und Kindlein auch sehr häufig, es gehörte zu seinem normalen Sprachgebrauch in den Briefen, Gemeindeangehörige so zu benennen.
Die Erwähnung der „Kinder der auserwählten Schwester“ im Grußwort am Schluss, scheint außerdem die Annahme zu bestätigen, dass es sich um eine Gemeinde handelte, die sich in einer Art Netzwerkbeziehung mit anderen Gemeinden in Kleinasien befand. Dazu gehörten wohl auch die Hausgemeinden in Ephesus, wo Johannes lebte.
Der Brief sollte auch den persönlichen Besuch des Johannes ankündigen. Wie auch aus den anderen Briefen hervorgeht war der Apostel besorgt um das Wohl aller Gemeinden in der Region. Er förderte die Ältesten und Leiter der Gemeinden und half den reisenden Dienern in den Gemeinden zu wirken. Das zeigt uns ein Bild von einem intakten Netzwerk von Gemeinden im engeren und im weiteren Sinn und die funktioierenden Diensten der Apostel, Propheten und Lehrer innerhalb dieser Gemeinden.

Ric

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