Dienstag, 13. November 2007
Willow Creek in der Krise?
Die Willow Creek Community Church erregt wieder mal Aufmerksamkeit. Doch dieses Mal geht es nicht um Erfolgsstories oder Superrezepte für erfolgreiche Gemeinde, sondern, was da in den Medien wiedergegeben wird klingt jetzt ganz anders. Steckt Willow Creek etwa in einer deutlichen Krise?
Hier einer von vielen Artikeln und Beiträgen zu den neusten Nachrichten über die Mega Gemeinde in Amerika, gefunden in FACTUM ONLINE '07

Willow Creek unter Druck?


ric

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Donnerstag, 8. November 2007
Das Szeklerland
Das Szeklerland liegt in Zentralrumänien im Osten des Siebenbürger Beckens, innerhalb des Bogens der Ostkarpaten (Hargithagebirge), mit den wichtigsten Städten Sfântu Gheorghe, Odorheiu Secuiesc, Miercurea-Ciuc und Gheorghieni.
Seit vielen Jahunderten leben dort die Szekler, ein Volksstamm, der zu den ungarischen Magyaren gehört, heute noch etwa 1 Millionen Leute. In früheren Zeiten hatte dieses Gebiet autonome Rechte, heute gehört es voll zu Rumänien und ist in die Bezirke Harghita und Covasna, sowie ein Teil des Bezirks Mures eingeteilt.

In Odorheiu S. als Zentrum des Gebietes hat sich seit 1993 eine stabile freie charismatische Gemeinde entwickelt. In 6 verschiedenen kleineren Städten bzw. Dörfern haben sich 6 kleine Gemeinden entwickelt, die durch die Gemeinde im Zentrum jetzt mehr und mehr miteinander vernetzt sind, aber trotzdem ihre Selbständigkeit haben.














Zuerst waren es zwei Camps in den Karpaten, zu denen ich eingeladen war, je eine Woche über Reich Gottes, Gemeinde, Gaben und Berufung zu sprechen. Und jetzt, Ende Okober war ich der Gemeinde in O. S., um mit ca. 40 Personen aus den umliegenden Gemeinden eine Woche lang das erste Modul einer Jüngerschaftsschule durchzuführen. Die nächsten drei Module kommen im nächsten Jahr.





Da sind kleine, einfache Gemeinden, die sich zuammen auf den Weg machen, einer ganzen Bevölkerungsgruppe das Reich Gottes zu bringen - gemäß des letzten Befehls Jesu: "Geht hin in alle Welt und macht zu Jüngern alle "Volksgruppen" (ethnos). Danke Jesus, dass ich da dabei sein darf.

ric

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Dienstag, 6. November 2007
Please, not the same procedure!
Vorausgesetzt, wir sehen uns selbst als Teil einer neuen, durch den Heiligen Geist bewirkten Bewegung von einfachen Gemeinden in Europa, so kann dieselbe sich nur dann positiv weiterentwicklen, wenn wir trotz unserer Unterschiedlichkeit zueinanderfinden und erkennen, dass wir uns brauchen.

Es sieht aus wie ein Akrobat auf einem Drahtseil mit einer langen Ballancestange in der Hand. An dem einen Ende befinden sich jene, die gute Traditionen und Strukturen bevorzugen und daran festhalten wollen - an dem anderen Ende sind solche, die sich mit ihrer kreativen und innovativen Art von den traditionellen und institutionlisierten Gemeindestrukturen freigemacht haben.

Der Akrobat blickt auf das Seil, er schaut nicht nach links und nicht nach rechts, er hält das Gleichgewicht und schaut geradeaus - es ist unser Blick auf Jesus, dem einzigen Grund, auf dem wir aufgebaut sind, der Anfänger und Vollender unseres Glaubens. Er hält uns in der Waage, dass wir nicht abstürzen.

ric

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Montag, 5. November 2007
The same procedure as every time?
Die Meisten, die zur Zeit in Hauskirchen -gemeinden in Deutschland und anderswo sind, sind Christen die schon eine längere Geschichte mit der traditionellen Gemeindeform hinter sich haben. So unterschiedlich diese auch sind, bewegen sie uns doch. Bei der Hinwendung zu einer Hausgemeinde stellen sie für sich mehr oder weniger in Frage, was sie bisher als Richtig und Wichtig angesehen haben. Manches wird abgelegt, manches behalten.

Man kann verschiedenes beobachten:
Da gibt es solche, die zwar die Gemeindestrukturen verlassen haben, diese aber nun in ihrer Hausgemeinde mehr oder weniger weiterleben.
Dann wieder findet man solche, die mit Vehemenz alles ablehnen, was auch nur den Anschein haben könnte, etwas mit dem zu tun zu haben, was sie verlassen haben.
Dann wiederum solche, die noch weiter gehen und sogar „schon über die Hauskirche hinweg“ sind. Gemäß einer aktuellen Bewegung suchen sie „das wirkliche Christenleben“ außerhalb allen Strukturen und Formen.
Jeder wird ganz sicher irgendwo ein Buch, einen Prediger oder Sonstwen finden, der die jeweilige Haltung unterstützt.

Ist das wirklich Freiheit?
In der Begleitung von Menschen, die eine Scheidung hinter sich haben gibt es bezüglich einer neuen Beziehung etwas wichtiges zu beachten: Solange der Geschiedene in seinem Herzen noch unversöhnt ist, sich noch immer mit dem Identifiziert was vergangen ist oder gar alles ablehnt, was ihn an die gescheiterte Ehe erinnert, ist diese Person nicht wirklich bereit eine neue Partnerschaft einzugehen. Der alte Partner schwebt dann immer irgendwo in der neuen Beziehung mit. Das Alte muss vergangen sein, damit wir offen sind uns wirklich auf etwas neues einzulassen.
So auch mit dem, was wir verlassen haben. Oft war das mit Verletzungen und Schmähungen verbunden. Tragen wir das immer noch in unseren Herzen, so werden wir überall und auf jedem Weg, den wir als Christ zu leben versuchen, das weiterleben was wir verlassen wollten. Entweder wird unsere Hausgemeinde dem sehr ähnlich sein, was wir früher taten oder sie erscheint als der verkrampfte Versuch anders sein zu wollen.
Ist das wirklich Freiheit?

Detektivarbeit
Im Internet findet man im Hauskirchenbereich eine Menge an Informationen darüber, wie sich Kirche über die Jahrhunderte entwickelt hat, usw. Eine gute Sache, wie ich meine. Diese Informationen sind wichtig, um seinen eigenen Stand neu zu bestimmen.
Aber es gibt noch mehr. Nicht nur rein sachliche Informationen darüber, sondern auch viele Seiten und Bücher, die aufzeigen wollen, welche immens schlimmen Folgen diese Veränderungen und Einflüsse zu haben scheinen. Verschwörungstheorien kursieren, Aufdeckungen von „geheimgehaltenen Informationen“ usw.
Ist das ein Phänomen der Hauskirchen? Nein, solche Verschwörungstheoretiker und Aufdeckungsautoren gab es immer und wird es immer geben. Ist das alles falsch, was diese schreiben? Nein, nicht alles. Das was aber an ihnen fast durchgehend falsch ist, ist ihre Sicht der Dinge und ihre Haltung dazu.
Gibt es zum Beispiel heidnische Einflüsse und gar Rituale innerhalb der Christenheit? Ja klar, und? Eine ehrliche Frage von mir an Sie, lieber Leser: sollte Gott so klein sein, nicht auch durch solche Dinge hindurch wirksam sein zu können? Sollte Gott tatsächlich durch die Ahnung irgendeiner alten Gottheit so erschüttert sein, dass ER sich deswegen unbedingt seinem eigenen Volk entziehen muss? Sollten Götzen wirklich so immense Kraft haben, dass sie selbst Gott vertreiben können?
Diese Diskussion ist so alt wie das Christentum. Paulus hatte solche Diskussionen schon mit den griechischen Christen. Damals ging es um Götzenopferfleisch. Erinnern wir uns, was Paulus dazu zu sagen hatte? War Paulus auch nur annähernd so alarmiert, wie diese Autoren uns alarmieren wollen? Nein, er war es nicht. Wie kann das sein? Nun, ich vermute, weil Paulus erkannt hatte, was es bedeutet wirklich frei zu sein.

A different procedure this time
Wenn wir unser Denken und Handeln durch etwas bestimmen lassen, was wir meinen hinter uns zu haben, so sind wir weiterhin gezwungen genau das weiter zu leben.

Entschieden gegen etwas zu sein ist keine Haltung die uns frei macht. In Gott den Freiraum gefunden zu haben, das verlassen zu können, was wir als falsch erkannt haben und nun auch das Gute darin wiederfinden zu können, hat mit echter Freiheit zu tun. Vor allem die Christen mit ihrem ehrlichen Bemühen mit Gott zu leben, darin sehen zu können, hat etwas mit Freiheit zu tun.

Wer innerlich von etwas Vergangenem frei geworden ist, wird nicht auf die Menschen schauen, die weiterhin darin leben und sich selber als Jemanden sehen, der „weiter ist wie diese“. Tatsächlich auf seinem eigenen Weg mit Gott weitergekommen zu sein, ist lediglich das Ergebnis von Gottes Gnade und wahrlich nicht etwas, was wir selber erkannt oder geschafft haben.
Jemand der frei geworden ist, wird in allem frei sein. Auch dann, wenn er sich in einer Hausgemeinde einbringt, in der nicht alles so anders ist, wie es in traditionellen Gemeinden ist. Wer wirklich innerlich frei ist, wird diese Freiheit nicht beständig nach Außen demonstrieren müssen. Wer wirklich innerlich frei ist, wird auch die Freiheit haben, sich anderen, die ehrlich bemüht sind Leitungsaufgaben wahrzunehmen, freiwillig unterordnen zu können. (Ich sprach davon in einem älteren Artikel: „Leiten durch Überzeugen I“)

Wirkliche Freiheit muss nicht beständig alles abschütteln, was unfrei zu machen scheint. Wirkliche Freiheit, die wir in Gott gefunden haben, lässt uns innerlich frei bleiben.
Nicht was wir an äußeren Formen leben bestimmt, ob wir frei sind, sondern was wir innerlich erleben.

Und so sollten wir das, was wir als Hausgemeinden auch immer gemeinsam tun, anders tun. Nicht unbedingt indem wir Ausdrucksformen suchen, die uns nach Außen von „den Anderen“ unterscheiden, sondern indem wir unsere Identität nicht mehr darin suchen, was wir tun. Tun wir also das, was Ausfluss der neu gewonnenen Identität in Gott bedeutet. Selbst wenn wir Altbekanntes tun, so wird es anders sein als zuvor. Ganz von selbst werden sich unsere Gewohnheiten verändern und ganz von selbst werden wir in neue, lebendige Strukturen finden, die jeweils für die konkret anwesenden Personen in unserer Hausgemeinde zutreffend ist.
Ganz von selbst? Naja, nicht wirklich. Von selbst nicht, sondern ganz von Gott. Diese Veränderung wird nicht so spektakulär ablaufen, dass wir es unbedingt sofort merken. Sanft und barmherzig wird es geschehen, eben so, wie Gott selber mit uns umgeht.

Charly

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Freitag, 2. November 2007
Forum einfache Gemeinde in Fulda - Rückblick
Bildergalerie von Peter Hahn

Vielen Dank für die schönen Bilder, sie geben das Leben auf dem Forum sehr gut wieder.

ric

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Mittwoch, 24. Oktober 2007
Forum einfache Gemeinde – Nachlese
Zu dem Forum in Fulda kamen 54 Teilnehmer zusammen, überwiegend Verantwortliche im Bereich Hausgemeinden. Auch sieben Kinder waren dabei. Viele der Leute hatten lange Anreisewege hinter sich. Bis zu über 600 km sind manche gefahren um teilnehmen zu können. Bei dem Betrieb auf den Autobahnen am Freitag ist das eine beachtliche Leistung. So verteilten sich in der Vorstellungsrunde die Nadeln auf der Deutschlandkarte, die von den Besuchern dort eingesteckt wurden, recht gleichmäßig, um aufzuzeigen wo sie leben. Ein Ehepaar war sogar aus der Schweiz angereist.



Von Anfang an herrschte auf dem Forum eine sehr positive und offene Atmosphäre. Manche kannten sich schon vorher, viele lernten sich dort erst kennen. Interessant auch, dass die Teilnehmer aus sehr unterschiedlichen Hintergründen kamen. So waren nicht nur Charismatiker, sondern auch Vertreter aus anderen Richtungen des Leib Christi. Da in den Versammlungen, insbesondere den Gebetszeiten, die Charismatiker besonders im Vordergrund waren, meine ich, dass wir in diesem Punkt sicherlich auch noch Reifemöglichkeiten haben.

Sehr ermutigend war zu sehen, wieviel Potentiale und wieviel gereifte Dienste bereits unter den deutschen Hausgemeinden vorhanden sind. Es brachten sich sehr viele Teilnehmer in die Treffen ein, so dass unser Programmgerüst an den einzelnen Tagen mit sehr guten Beiträgen ausgefüllt wurde. Ganz sicher werden wir bei dem nächsten Forum im Oktober 2008 noch mehr Freiraum dafür geben und noch weniger Zeiten festlegen. Der Sonntagvormittag gestaltete sich dann auch ganz aus den Dingen, die von den Teilnehmern kamen. Bis auf den anfänglichen Lobpreis und dem abschließenden Abendmahl folgten wir dem, wo Gott uns hinführte. Spontan entschlossen sich Teilnehmer dazu sich schon am Morgen vor dem Frühstück zum gemeinsamen Gebet zu treffen.

Alte Strukturen zu verlassen und mitgebrachte Vorstellungen abzulegen, war die Herausforderung Gottes bereits in der ersten Gebetszeit, Freitagnacht nach der langen Vorstellungsrunde. Tatsächlich wurde so mancher in seiner bisherigen Vorstellung von Hausgemeinde herausgefordert. „Die Sandkastenphase ist vorbei“ hieß es dann auch am Ende des Forums und "Gott will uns in eine neue Stufe der Entwicklung als Hausgemeinden rufen. Damit ist auch der Ruf zu mehr Vernetzung untereinander gemeint. Da ist eine Herausforderung Netzwerke zu schaffen, die nicht wieder in den alten hierarchischen Strukturen enden. Dazu brachte Keith Smith, der seit wenigen Monaten in Deutschland wohnt, am Samstagabend eine Grundlagenlehre.

In unserem Netzwerk hier im Ruhrgebiet und am Niederrhein wurde ein prägnanter Satz über dieses Thema geformt: „Wir sind nicht ein Leitungsteam von Hausgemeinden, sondern ein Team von Verantwortlichen aus Hausgemeinden!“ Damit wird deutlich, dass solche Netzwerke weiterhin in der Herausforderung stehen, nicht hierarchisch miteinander zu arbeiten. Und wir können sagen, dass das sehr gut funktioniert.

Weiter wurde in Fulda deutlich, dass innerhalb der Einfachen Gemeinden in Deutschland gereifte Personen sind, die in den Diensten aus Eph.11 tätig sind, bzw. den Ruf dazu haben. Was fehlt, ist die Annahme und Inanspruchnahme dieser Dienste unter den Hausgemeinden.



In den Workshops und bei den Impulsen am Freitag dachten wir gemeinsam über verschiedene, teils neue Wege, nach, wie wir Hausgemeinde besser leben können. Wachstum in quantitativer als auch in qualitativer Form wollen wir erleben. Hier wurde am Vormittag auch sehr deutlich, dass es Gott nicht nur darum geht, enttäuschte und/oder verletzte Christen in Hausgemeinden aufzufangen, sondern dass auch wir herausgefordert sind, den Menschen das Evangelium zu predigen, die es bisher noch nicht gehört und angenommen haben. Das wurde am Sonntag noch mal durch die prophetische Aussage bestärkt, dass Gott Arbeiter in seine Ernte „hinausschleudern“ will.

Eine Beobachtung, die von vielen am Freitag über Fulda gemacht werden konnte, wurde zu einem prophetischen Bild für uns: Es waren große Mengen Kraniche (Wildgänse ?) zu beobachten, die über der Stadt die Aufwinde nutzten um in immer höhere Lufträume zu steigen, um dann in geordneten Formen ihr Winterziel weit im Süden anzustreben. So will uns der Geist Gottes auch aufsteigen lassen und uns geordnet und nicht als verstreuter Haufen auf das Ziel hinbringen, dass er mit uns hat.

Spontan ließ sich ein Teilnehmer am Freitagnachmittag zwischen Veranstaltung und Abendessen in einer Badewanne im Haus taufen. Er hatte für sich erkannt, dass es Zeit wurde, diesen Schritt zu gehen und folgte dem Motto aus der Apostelgeschichte: „Siehe, da ist Wasser! Was hindert mich, getauft zu werden?“

So gab es eine Menge an Geschichten die sich rund um das Forum ereigneten. Ein Forum voller Leben und spannungsvoller Erwartung auf das, was Gott unter uns tun will. Das macht schon neugierig auf ein nächstes Forum im nächsten Jahr.

Charly

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Sonntag, 14. Oktober 2007
Geht es in einfachen Gemeinden ohne Rituale?
Im Gespräch mit einem Freund entstand die Frage, „Sind wirklich alle christlichen Rituale schlecht, oder können wir auch in ein einfachen Gemeindestrukturen Rituale pflegen? Das hat mich motiviert, mal tiefer nachzugraben:

Wikipedia sagt:

„Ein Ritual ist eine nach vorgegebenen Regeln ablaufende, feierlich-festliche Handlung mit hohem Symbolgehalt. Sie wird häufig von bestimmten Wortformeln und festgelegten Gesten begleitet …Ein festgelegtes Zeremoniell (Ordnung) von Ritualen oder rituellen Handlungen bezeichnet man als Ritus….
Indem Rituale auf vorgefertigte Handlungsabläufe und bekannte Symbole zurückgreifen, vereinfachen sie die Bewältigung komplexer lebensweltlicher Aufgaben und vermitteln Halt und Orientierung, sie erleichtern die Kommunikation, den Umgang mit der Welt und das Treffen von Entscheidungen.

Als religiöse Riten lassen sich alle in einer Religionsgemeinschaft üblichen oder geregelten Praktiken oder Rituale bezeichnen, die der religiösen Lebensführung oder dem Kult dienen (Gottesdienste, liturgische und kultische Handlungen aller Art, die Feier religiöser Feste, Anbetungsgesten und Verehrungspraktiken, die Rezitation von Gebeten oder Mantras, religiöse Tänze und Gesänge, Orakelbefragungen, Beschwörungen, magische Rituale, Heilungsrituale, rituelle Waschungen von Menschen oder Gegenständen, der Vollzug der Beschneidung, der Taufe oder sakramentaler Handlungen, Opfer-, Reinigungs-, Segnungs- oder Weihehandlungen u.v.m.). Häufig sind besonders qualifizierte Vorsteher, Amtsträger, Priester, Schamanen, Heiler oder Kultdiener mit der Ausführung oder Leitung dieser Handlungen oder Zeremonien betraut.“


Ich denke, man muß bei Ritualen unterscheiden, ob sie einen rein gemeinschaftsfördernden, einen religiös-verbindlichen oder sogar einen magischen Zweck erfüllen sollen. Viele religiösen Rituale und magischen Kulte sollen dem Gläubigen vermitteln, dass deren Einhaltung unbedingt notwendig zur Erlangung des Heils bzw. der Heilung ist. Deshalb ist diese Art von Rituale für einen Nachfolger Christi nicht akzeptabel, denn das Heil kommt nur aus dem lebendigen Glauben an den Retter Jesus Christus und nicht aus der Ausübung bestimmter religiöser Zeremonien und Riten.
Rituelle Handlungen waren und sind auch immer ein Ausdruck von Kultur und Gemeinschaft. Sie erfüllen den Zweck, der jeweiligen Gruppierung Zusammenhalt und Unterstützung zu geben und werden von Gemeinschaft zu Gemeinschaft und von Kultur zu Kultur wechseln. Sie können auch das Leben einer der christlichen Gemeinschaft prägen, sind aber variabel und nicht heilsnotwendig.

Der ursprüngliche Sinn christlicher Rituale war es, den persönlichen Glauben der Christen durch Symbole und Zeichen zu stärken und die Zughörigkeit zum Volk Gottes auch über die Grenzen von Kultur und sozialer Gemeinschaft auszudrücken. Damit haben sie auch Sinn und Berechtigung. Leider wurden diese Rituale immer wieder zum Ersatz für den eigentlichen christlichen Glauben, der sich vorrangig an den dreieinigen Gott orientiert. Jesus Christus hat seiner Gemeinde zwei feststehende Rituale, wenn man sie so nennen mag, hinterlassen. Die Taufe und das Abendmahl. Aus beiden wurden schon bald religiöse Rituale mit magischem Charakter und führten zum Ersatz für den lebendigen Glauben. Ursprünglich war die Taufe durch Untertauchen ein Symbol für die Errettung und für das neue Leben, das der Gläubige allein durch den Tod Jesu Christi erhält. Die Kirche des 4. Jahrhunderts machte sie jedoch zur heilsnotwendigen religiösen Kulthandlung, ohne die ein sterbender Säugling verloren geht. Ebenso veränderte sich das Abendmahl von einem religiösen Symbol für das Opfer Jesu zu einem magischen Kult, der ewiges Leben vermittelt.

Rituale tragen die Gefahr der „Verselbständigung“ in sich, da der Mensch die Tendenz hat, die unsichtbaren Dinge durch die sichtbaren zu ersetzen. Wenn die Christen, in der Verangenheit mit den zwei belegten „Anordnungen“ Jesu, der Taufe und dem Abendmahl schon diese Schwierigkeiten hatten, sollten wir nicht auch noch menschliche Überlieferungen, von denen es jede Menge gibt, hinzunehmen.

ric

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Mittwoch, 10. Oktober 2007
Einfache Gemeinde in den Slums von Bangkok
Outdoor Church in a Bangkok Slum


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Mittwoch, 10. Oktober 2007
Teil 4: Gottesdienst oder Christliche Versammlung?
Als Paulus während seiner dritten Missionsreise auf dem Heimweg nach Jerusalem war, kam er nach Troas, einer Stadt an der Küste in der heutigen Türkei, wo heute nur noch Ruinen stehen. Zusammen mit seinen Mitarbeitern Lukas, Sopater aus Beröa, Aristarchus und Sekundus aus Thessaloniki, Gajus von Derbe und Timotheus, Tychikus und Trophimus aus Asien besuchte er eine Gemeinde, die sich in einem Privathaus versammelte. In dem Text, der das beschreibt, ist erstmals die Rede von einer Zusammenkunft "am ersten Tag der Woche":
"Am ersten Tag der Woche aber, als wir versammelt waren, um Brot zu brechen, unterredete sich Paulus mit ihnen, da er am folgenden Tag abreisen wollte; und er zog das Wort hinaus bis Mitternacht. Es waren aber viele Lampen in dem Obersaal, wo wir versammelt waren." (Apg. 20,7-8).
Die Gute Nachricht spricht präziser vom „Abend vor dem Sonntag“, an dem sich die Gemeinde traf. Viele der ersten Christen waren Juden, sie und auch die griechischen Christen orientierten sich nach der jüdischen Woche, da beginnt der Sabbat am Freitagabend um sechs Uhr und endet am Samstagabend um sechs Uhr. An jenem Tag trafen sich die Christen in Troas also nachdem der Sabbat zu Ende war, also am Samstag nach 18 Uhr und waren bis in die frühen Morgenstunden des Sonntag zusammen. Aus geschichtlichen Überlieferungen weiß man, dass die Gemeinden später die Gewohnheit entwickelten, sich am Sonntagmorgen, vor Anbruch des Tages zu treffen, um das Abendmahl zu feiern, denn zu dieser Zeit konnten sie am wenigsten beobachtet werden.
Die Hausversammlung in Troas, fand im oberen Teil des Privathauses statt, in einem großen Raum, der auch Söller oder Obergemach genannt wird. Das war der höchste Teil des typisch orientalischen Hauses, im obersten Stockwerk, das in der Regel ein Flachdach hatte (siehe auch Apg. 1,13; 9,37.39; 20,8)
Sie verweilten schon sieben Tage bei der Gemeinde in Troas und jetzt, am letzten Abend vor ihrer Abreise, versammelten sie sich alle noch einmal, man weiß nicht wie viele Leute es waren, vielleicht 20, oder 30, auf jeden Fall fanden sie alle Platz in dem Haus. Das Treffen dauerte sehr lange, denn es gab viel zu erzählen und Paulus hatte vieles mitzuteilen. Entgegen der Meinung, dass dies ein Abendmahlsgottesdienst war, bei dem Paulus eine Mammutpredigt hielt, bei der manche Zuhörer einschliefen, muss bei näherer Texteinsicht festgestellt werden, dass es vielmehr eine offene „Unterredung“ (griechisch dia-legomai) war an der sich viele Hausgenossen beteiligten. Es könnte sogar eine Diskussion oder eine Debatte gewesen sein, bei der Paulus seine Standpunkte deutlich erklären und Fragen beantworten musste, mit eingefügten Lehrabschnitten. Es war wohl sehr spannend und ergreifend, sonst hätten sie nicht so lange ausgeharrt. Ein plötzlicher Zwischenfall, der Fenstersturz des Eutychus und die anschließende Auferweckung war ein Teil der Versammlung, danach folgte ein gemeinsames Abendmahl, zum Gedächtnis an den Herrn Jesus und zur Stärkung der Gemeinschaft. Und dann kam noch ein letzter Lehrteil, bevor Paulus abreiste. Das Einzige, was an dieser Versammlung geplant war, war der Tag und das gemeinsame Abendmahl, denn es heißt im Text: „ Am ersten Tag der Woche aber, als wir versammelt waren, um Brot zu brechen…“. Alles andere folgte, wie Gott es zuließ, bzw. wie der Geist es führte – es war kein "Gottesdienst" in unserem Verständnis, sondern eine echte Versammlung von Christen um ihren Herrn Jesus.

Um eine solche Versammlung zu haben, brauchen wir keinen bestimmten Tag, keine spezielle Anzahl von Personen, keinen Pastor, keine Kanzel, kein spezielles Gebäude, keine Liturgie, kein Programm, keine Lobpreisband, kein Budget, und auch keinen Verein. Was wir aber brauchen, und deshalb kommen wir zusammen, das ist Jesus. Er in uns und in unserer Mitte und wir zusammen mit ihm. Da ist auch der Heilige Geist, der alles schon vorbereitet hat, noch bevor wir an das Treffen gedacht haben. Das ist einfach, da ist kein Stress, allenfalls der einer normalen Großfamilie. Jedes Zusammentreffen ist anders, der Ablauf variiert, zwar kommen bestimmte Dinge immer wieder vor, wie das Wort, die Lehre, Prophetien, Sprachenreden, Gebete, auch das Essen, die Lieder, Spiele, Spaziergänge und anderes, aber manchmal fehlt auch das eine oder das andere. Wir leben das Leben des Leibes Jesu, als ein Teil des Leibes, weil wir uns zugehörig wissen zu vielen anderen, die auch in den Leib hineingetauft sind. Wir sind auf dem Wege, dem Weg, Jesus zu folgen, wo er uns hinführt, sozusagen ein wanderndes Volk oder eine Gruppe in Bewegung. Jeder hat etwas von Gott bekommen, was er zur Gemeinschaft und zu den Versammlungen beitragen kann. Die geistlichen, natürlichen und materiellen Gaben kommen zusammen, damit jeder Einzelne auferbaut und gestärkt wird, das ist eine wahre Versammlung der Gläubigen, bei der ein Gottesdienst aneinander geschieht.

Das Neue Testament spricht insgesamt 8 Mal von Gottesdienst, auf verschiedene Situationen bezogen. So gibt es z.B. einen vollkommenen und vor Gott wohlgefälligen Gottesdienst, aber auch einen falschen bzw. eigenmächtigen Gottesdienst, einen irdischen und einen himmlischen Gottesdienst. Und es gibt den Gottesdienst des alten Bundes und einen Gottesdienst des Neuen Bundes. Bei genauer Betrachtung erkenne ich dann, dass es wohl zwei grundlegende Bedeutungen für den Gottesdienst gibt:
1. Der Gottesdienst im Sinne einer Liturgie, bzw. in Form einer rituellen Abfolge von Handlungen, insbesondere Opferhandlungen. Zu finden im Judentum, in heidnischen Religionen und im Christentum.
2. Der Gottesdienst im Sinne eines hingegeben Lebens für Gott in der Nachfolge Jesu, bzw. der richtige Wandel eines Christen vor Gott.

In Römer 12,1 und in Jakobus 1,27 betont Paulus den eigentlichen Sinn und Inhalt eines „richtigen Gottesdienstes“: Wir sollen uns selbst ganz für Gott zur Verfügung stellen und uns von jeder Befleckung der Welt fernhalten, des Weiteren sollen wir Waisen und Witwen in ihrer Bedrängnis besuchen.
Da ist keine Rede von einem Gottesdienst in einer Kirche bzw. einem Gemeinderaum bei der „religiöse Übungen und Zeremonien abgehalten werden oder bei dem es nur um Dienste, Pflichten oder Programme geht, die getan werden müssen.

ric

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Montag, 8. Oktober 2007
Teil 3: Gab es einen urchristlichen Gottesdienst?
Die Zusammenkünfte der ersten Christen waren geprägt von den Erfahrungen der Erscheinung des auferstandenen Herrn inmitten ihrer Treffen. Sie trafen sich stets in der Erwartung, dass der Herr gegenwärtig sein würde und der Heilige Geist sie entsprechend führen würde, also ohne Liturgie oder vorbereitetem Programm. Die Jerusalemer Gemeinde bestand überwiegend aus Juden, die nicht die Absicht hatten eine neue Kultusgemeinschaft zu gründen. Anfangs nahmen sie deshalb auch am religiösen Leben der Juden teil. Erst später orientierten sie sich teilweise am jüdischen Synagogen-gottesdienst. Dazu gehörten Schriftlesung, Gesang, Gebete und Leitung durch Älteste. Die Treffen in der Tempelhalle Salomos dienten hauptsächlich der evangelistischen Verkündigung. Die eigentliche Gemeinschaft der Gläubigen wurde in den Häusern gelebt und mindestens am Freitagabend gehörte auch das häusliche Sabbatmahl als Abendmahlfeier dazu. Die folgenden drei Aussagen der Apostelgeschichte sind eindeutig:
„Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten.“..... „Täglich verharrten sie einmütig im Tempel und brachen zu Hause das Brot, nahmen Speise mit Jubel und Schlichtheit des Herzens.“..... „sie hörten nicht auf, jeden Tag im Tempel und in den Häusern zu lehren und Jesus als den Christus zu verkündigen“. (Apg. 2,42.46; 5,42)

Die Versammlungen der Christen waren nicht auf einen besonderen Tag der Woche beschränkt und hatten auch keine gottesdienstliche Ordnung. Es wurde die Lehre der Apostel weitergegeben, es wurde gebetet, gemeinsam gegessen und das Abendmahl gefeiert. Diese „vier Säulen der christlichen Versammlung“, wie sie genannt werden, können in einem Treffen gewesen sein, sie können aber auch auf mehrere Versammlungen aufgeteilt gewesen sein. Einen sonntäglichen Gottesdienst mit einem liturgischem Ablauf und einer religiösen Zeremonie, wie wir es heute kennen, gab es nicht. Eine kirchliche Tradition dieser Art hatte sich erst später herausgebildet, nachdem die Gemeinde in Jerusalem konsolidiert war. In der Gemeinde in Antiochien war es sicher anderes gewesen, da die meisten Christen dort aus einem heidnischen Hintergrund kamen.
Die ersten Gemeinden im römischen Reich orientierten sich, neben den bereits erwähnten vier Säulen, an den sozialen und kulturellen Bedingungen ihres Umfeldes. Das wird deutlich in dem Konflikt zwischen judenchristlicher Tradition und dem Leben der Heidenchristen. Beim ersten Konzil der Geschichte wurde entschieden, den heidnischen Christen kein religiöses Joch aufzuerlegen. Das betraf auch die Gestaltung der Versammlungen, die frei sein sollten von religiöser Tradition.

Aus den Paulusbriefen geht hervor, dass die Versammlungen streng genommen keine Gottesdienste waren, sondern freie Zusammenkünfte, bei denen der Heilige Geist die Dynamik bestimmte. Es herrschte kein religiöser Ritus mit wiederkehrenden Zeremonien oder kultischen Handlungen. Stattdessen wurde die Atmosphäre durch wechselnde persönliche Beiträge und durch die Gaben des Heiligen Geistes bestimmt. Das Abendmahl war ein Gedächtnismahl, das nach der Anweisung Jesu oft gefeiert wurde und es war in das gemeinsame Essen eingebettet. Gebete, Lehrbeiträge und Prophetien waren nicht Teil einer Gottesdienstordnung, sondern wurden spontan geäußert. Denken wir an den ersten Korintherbrief, wo Paulus mehr Ordnung in das Chaos der Gemeindeversammlungen bringen will. Seine Anweisungen beziehen sich z.B. auf die rechte Art der Abendmahlfeier und auf die richtige Ausübung der Gaben, da bei den Korinthern ein rechtes Durcheinander herrschte, was durch Sünde und Charakterprobleme noch verstärkt wurde. Es ging ihm nicht um die Einführung einer gottesdienstlichen Liturgie, sondern um einen ordentlichen Ablauf in den Versammlungen und um einen lauteren Lebenswandel der Christen.
Im Kapitel 14 wirft Paulus einen interessanten Blick in eine solche Versammlung:
„Was ist es nun, Brüder? Wenn ihr zusammenkommet, so hat ein jeder [von euch] einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Sprache, hat eine Offenbarung, hat eine Auslegung; alles geschehe zur Erbauung."
Später folgen Richtlinien, nach denen die Gaben sinnvoll und zur Erbauung eingebracht werden können. Aus Kol. 4,16 geht hervor, dass auch die Briefe der Apostel bei den Treffen der Christen verlesen wurden, nachdem sie von Boten anderer Gemeinden überbracht wurden. Das Vorlesen und Anwenden auf die eigene Situation diente zur Belehrung und Auferbauung der Gemeinde.

Einen ersten Hinweis auf eine festgelegte Gottesdienstrodung finden wir in der Didache (Apostellehre, ca. 110 n. Chr.) Dort steht:
„An jedem Herrentage, wenn ihr zusammenkommt, brecht das Brot und sagt Dank, nachdem ihr zuvor eure Verfehlungen bekannt habt, damit euer Opfer rein sei.“
Die Apostellehre übermittelt uns zwar keine vollständige Gottesdienstordnung, gibt aber wichtige Hinweise - später wird die Ordnung näher erklärt:
Vater unser - Dankgebet über dem Becher - Dankgebet über dem Brot - Ausschluss der Ungetauften - Dankgebet nach der Sättigung – Maranatha - dazwischen folgt das Sündenbekenntnis und eventuell eine Predigt oder die Lesung der Briefe. (Didache 8.2- 14.1)
Die Didache wurde in der nachapostolischen Zeit geschrieben, in der die Gemeinden nach mehr Ordnung und Sicherheit suchten. Die Apostel des Herrn waren nicht mehr da und die erwartete Wiederkunft des Herrn hatte noch nicht stattgefunden. Um sich nun vor Irrlehren und vor Missbrauch zu schützen, verlangte man nach mehr Regeln für das christliche Zusammenleben und für die Versammlungen. Clemens von Rom und Ignatius von Antiochien unterstützten mit ihren Lehrbriefen diese Bestrebungen und lieferten den theologischen Unterbau für ein „Kirchenrecht“ und für eine durchdachte „Kirchenordung“, der Gemeinden im zweiten Jahhundert.

ric

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